LOHNENTWICKLUNG:

 

21/06/2018:

Reallöhne blieben auch Anfang 2018 leicht im Plus

(von Markus Krüsemann)

 

Die Nominallöhne sind auch im ersten Quartal 2018 weiter angestiegen. Dank der seit Anfang 2017 merklich höheren Inflationsrate bleibt es aber dabei, dass die Beschäftigten nur noch ein geringes Reallohnplus für sich verbuchen können.

 

Die Entwicklung der Nominallöhne blieb auch im ersten Quartal 2018 im Plus. Mit einem Anstieg um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal setzte sich eine bereits seit Anfang 2014 anhaltende Entwicklung fort, die von durchgängigen moderaten Lohnsteigerungen von jeweils mindestens zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau gekennzeichnet ist. Und wie schon in den Quartalen des Jahres 2017 (vgl. 24.03.2018) sorgte eine nur sehr leicht auf 1,6 Prozent gesunkene Inflationsrate dafür, dass das Lohnplus bei den abhängig Beschäftigten eher spärlich ausfiel.

 

Wie aus einer heute vom Statistischen Bundesamt (DESTATIS) verbreiteten Pressemeldung hervorgeht, sind die um Preissteigerungen bereinigten Löhne der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten ArbeitnehmerInnen im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich im ersten Quartal 2018 nur um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Zwar liegen damit auch die Reallöhne seit Anfang 2014 durchgängig im Plus, doch vor dem Hintergrund der positiven konjunkturellen Entwicklung der vergangenen Jahre müssten die abhängig Beschäftigten längst stärker vom anhaltend kräftigen Wirtschaftswachstum profitieren - zumal durchaus darüber gestritten werden kann, ob der neutrale Verteilungsspielraum nun ausgeschöpft wurde oder nicht.

 

 Entwicklung der Real- und der Nominallöhne I/2012 bis I/2018 (in Prozent)

Entwicklung der Reallöhne bis März 2018
Quelle: Statist. Bundesamt: Reallohnindex

 

Eine nach Leistungsgruppen differenzierte Betrachtung der Lohnentwicklung zeigt, dass die Gruppe der angelernten ArbeitnehmerInnen und die der Fachkräfte mit einem Nominallohnplus von jeweils 2,7 Prozent im Durchschnitt lagen. Die Gruppe der ungelernten ArbeitnehmerInnen konnte dagegen überdurchschnittlich profitieren. Ihr Nominallohnplus lag im ersten Quartal 2018 bei 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit setzt sich die seit Beginn des Jahres 2015 zu beobachtende positive Entwicklung für sie weiter fort.

 

 Nominallohnentwicklung 2008 bis 2017 (in Prozent jew. gegenüb. Vorjahr)

Nominallohnentwicklung 2008 bis 2017
Quelle: Statist. Bundesamt: Reallohnindex und Nominallohnindex

 

Allerdings handelt es sich dabei „nur“ um eine dringend nötige nachholende Entwicklung. Denn, anders etwa als die Gruppe der vergleichsweise gut und besser verdienenden abhängig Beschäftigten musste sich die Gruppe der ArbeitnehmerInnen mit den relativ geringsten Stundenlöhnen - hier sind die ungelernten Arbeitskräfte besonders stark vertreten - zwischen 1995 und 2015 nicht nur mit geringeren Lohnsteigerungen begnügen, sie hat sogar Reallohnverluste von bis zu sieben Prozent hinnehmen müssen.

 

Grundlage der Berichte zur allgemeinen Lohnentwicklung bildet die Vierteljährliche Verdiensterhebung. Sie wird seit dem Berichtsjahr 2007 durchgeführt. Erfasst werden darin u.a. die Bruttoverdienstsummen von Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten in rund 40.500 Betrieben mit mindestens fünf Arbeitnehmer/innen im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich.

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Quellen:

Pressemitteilung Nr. 222 des Statist. Bundesamtes vom 21.06.2018

 

„Deutsche Reallöhne klettern weiter“, Zeit online vom 21.06.2018.

 

Statist. Bundesamt: Verdienste und Arbeitskosten - Reallohnindex und Nominallohnindex, 1. Vierteljahr 2018, Wiesbaden.

 

Bundesregierung (Hg.) (2017): Lebenslagen in Deutschland - Der Fünfte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Berlin.

 

Weiterlesen:

 

- Deutsche Bundesbank (2018): Lohnwachstum in Deutschland: Einschätzung und Einflussfaktoren der jüngeren Entwicklung, Monatsbericht, April 2018.

 

- Grabka, M./ Goebel, J. (2018): Einkommensverteilung in Deutschland: Realeinkommen sind seit 1991 gestiegen, aber mehr Menschen beziehen Niedrigeinkommen. In: DIW Wochenbericht, 85. Jg., Nr. 21, S. 450-459.

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Markus Krüsemann ist Soziologe und Mitarbeiter am Institut für Regionalforschung in Göttingen.

 

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