prekäre Jobs

 

PREKARISIERUNG:

 

25/09/2013:

Gastgewerbe ist Jobmotor für prekäre Beschäftigung geworden

 

 

Das Gastgewerbe gehört zu den Branchen mit einer sehr hohen Zahl an Geringverdienern, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind hier weit verbreitet und mittlerweile fast schon ein Markenzeichen der Branche geworden (vgl. 10.02.2012). Dies geht einmal mehr auch aus einer von der Hans-Böckler-Stiftung herausgegebenen Studie hervor, in der die Markt- und Strukturentwicklungen im Gastgewerbe und deren Auswirkungen auf Beschäftigung und Arbeitsbedingungen in den letzten zehn Jahren untersucht worden sind.

Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in einer Pressemitteilung dazu berichtet, zeige die Branchenstudie auf, wie sich das Gastgewerbe zum Jobmotor für prekäre Beschäftigung entwickelt habe. Die Beschäftigung in der Branche, die mit 1,96 Millionen Erwerbstätigen zu den beschäftigungsintensivsten in Deutschland gehöre, sei geprägt von einem hohen Niedriglohnanteil, vielen Minijobs, befristeten Arbeitsverträgen und schlechten allgemeinen Arbeitsbedingungen wie unattraktiven Arbeitszeiten, hohen Arbeitsbelastungen und eingeschränkter beruflicher Entwicklung. Fast jeder oder jede Zweite sei geringfügig beschäftigt, ein Drittel der Beschäftigten beziehe einen Niedriglohn, obwohl Vollzeit gearbeitet werde, und knapp neun Prozent müssten ihr Einkommen mit Hartz IV-Leistungen aufstocken. Zudem habe die massive Tarifflucht der Arbeitgeber im Gastgewerbe dazu geführt, dass weit weniger als 40 Prozent der Beschäftigten mit der Sicherheit eines Tarifvertrages arbeiteten.

Die prekäre Beschäftigung wachse damit schneller als die sozialversicherungspflichtige. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, so würden in fünf Jahren bereits mehr als zwei Millionen Menschen im Gastgewerbe arbeiten: die Mehrheit in atypischer Beschäftigung, habe die stellvertretende NGG-Vorsitzende Michaela Rosenberger die Entwicklung kritisiert.

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Quelle:
Pressemitteilung der Gewerkschaft NGG vom 24.09.2013

Weiterlesen:
Maack, K./ Haves, J. u.a. (2013): Die Zukunft des Gastgewerbes – Beschäftigungsperspektiven im deutschen Gastgewerbe. Reihe: edition der Hans-Böckler-Stiftung, Personalarbeit im Betrieb, Bd. 188.

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Markus Krüsemann ist Soziologe und Mitarbeiter am Institut für Regionalforschung in Göttingen.

 

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