Nach allgemeiner Auffassung wird dann von einem Niedriglohn gesprochen, wenn ein in Vollzeit beschäftigter Arbeitnehmer mit ihm seine Existenz nicht sichern kann. Um diese Einkommenssituation besser erfassen und messen zu können, wird in Berechnungen und Statistiken zu Niedriglöhnen eine bei internationalen Organisationen wie der ILO und der OECD gebräuchliche Definition verwendet. Danach bezeichnet der Niedriglohn ein Stundenentgelt, das geringer ist als zwei Drittel des Medianlohns. Das ist der rechnerisch ermittelte mittlere Lohn, bei dem es genau so viele ArbeitnehmerInnen mit einem höheren wie mit einem niedrigeren Einkommen gibt. 

 

Beschäftigungsverhältnisse, in denen nur noch Niedriglöhne gezahlt werden, haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer weiter ausgebreitet. Weil Niedriglohnbeschäftigung sich dadurch zu einem verfestigten Segment im Arbeitsmarkt entwickelt hat, spricht man auch von einem regelrechten Niedriglohnsektor.

 

Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Januar 2015 ist das Thema Niedriglöhne in der Öffentlichkeit etwas in den Hintergrund getreten, obwohl Stundenlöhne von zunächst 8,50, seit Januar 2017 dann 8,84 Euro nur für Verschiebungen innerhalb des Niedriglohnsektors sorgen können. Im Jahr vor der Mindestlohneinführung war weiterhin mehr als jeder fünfte Beschäftigte Geringverdiener, und angesichts einer bei zehn Euro angesiedelten Niedriglohnschwelle dürfte das auch 2015 nicht anders gewesen sein - trotz Mindestlohn.

 

 Anteil der Niedriglohnbeschäftigten an allen abhäng. Erwerbstätigen (in Prozent)

Entwicklung des Niedriglohnsektors
Quelle: IAQ-Report Nr. 3/2016

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